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neruda1

nicht dass pablo neruda, seine erben oder die blogtrenner fundacion neruda jemals behauptet hätte, dass nerudas über jahrzehnte angesammelter fundus aus aller welt eine kunstsammlung darstelle. nerudas ästhetischer anspruch war ein privater; in allen seinen häusern entstand so ein bunter kosmos von dingen, in dem sich das von ihm wahrgenommene und begriffene auf einzigartige weise repräsentiert. obwohl wir ein museum betreten, haben wir den eindruck, ein höchst intimes stück leben zu besichtigen, eine welt die sich per se den oft hochmütigen und banalen geschmacksurteilen mancher reisebuchautor/inn/en entzieht. es sind diesselben priester des guten geschmacks, die obskure museen, wie jenes der salesianer in punta arenas, als hervorragend bewerten, aber hier vorgeben, das wesen der dinge erfasst zu haben.
warum also neruda indirekt fehlendes kunstverständnis vorwerfen ? nur weil er aus ideologischen gründen den erwerb von kunstwerken ablehnte und sich auf die dinge der täglichen welt konzentrierte ?
die oft strapazierte seele der dinge besteht nicht etwa in ihrem metaphysischen gehalt, sondern in den geschichten, die aus ihnen sprechen. am beginn von nerudas memoiren [lit ...] finde ich einen abschnitt, in dem der autor direkt auf seinen fetisch bezug nimmt:
in meinem haushalt habe ich kleine und grosse spielzeuge zusammengetragen, ohne die ich nicht leben konnte. das kind, das nicht spielt, ist kein kind, aber der mann, der nicht spielt hat für immer das kind verloren, das in ihm lebte und das ihm arg fehlen wird. ich habe mein haus auch als spielzeug gebaut und spiele in ihm von morgens bis in die nacht. es sind meine eigenen spielzeuge. ich habe sie mein ganzes leben hindurch gesammelt mit der wissenschaftlichen absicht, mich allein mit ihnen zu unterhalten. aber ich werde sie den kleinen kindern und denen aller alter beschreiben.

bei unserem gang durch la chascona knarren die dielen, von denen man/frau sagt, sie seien auf wunsch von neruda speziell verlegt worden, um die dielen eines schiffes zu imitieren. in isla negra ließ er einem lebensgroßen holzpferd einen stall bauen, nachdem es ihm nach jahrzehnten des begehrens gelungen ist, die obsession einer kindheit zu erwerben. schränke mit seinen persönlichen gegenständen stehen den neugierigen blicken offen.
es ist wie so oft auf reisen, wenn wir, die reisenden, den massentourismus beklagen: froh darüber zu sein, diesen persönlichen kosmos gesehen zu haben und gleichzeitig die lawine an menschen beklagen, die mit wenig sensibilität durch die verwinkelten häuser nerudas trampeln - diesen widerspruch lösen wir nicht auf. noch aber besteht hoffnung, dass die seele der dinge für alle, die innehalten und sich zeit nehmen, offen bleibt. [siehe die reisetagebücher von celati ... ]

neruda6

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