africa
albania
asia
australia
austria
belarus
bosnia herzegovina
brazil
bulgaria
chile
china
croatia
czech republic
finland
foto friday
france
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon
un, deux, trois ....

 

chile

[back to chile directory]

die magellanes, ein ehemaliges frachtschiff, 1979 in japan gekauft und später in chile für passagiere umgebaut. adrett, mit dem charme einer luxus - jugendherberge.
reis1

die reisenden, durchschnittsalter um die dreissig, mit riesigen rucksäcken, in trecking schuhen, fleeze jacken, zerlesene taschenbücher in den händen. was wird gelesen? robert ludlum, harry potter, albert camus, victoria platowa, wilbur smith, manuel vazquez montalban. jede menge blue planet reiseführer. camus bei diesem leser überrascht, doch der sachverhalt klärt sich rasch auf. gelassen gibt der leser antwort auf eine verwunderte frage eines mitreisenden: er lese dies nur, weil er auf lesestoff vergessen habe, leihweise sozusagen. der inhalt, na ja.
viele europäer, wenig us - amerikaner, wenig chilenen oder argentinier. die vorsichtigen tragen ihren tagesrucksack stets bei sich, vertrauen den schliessfächern an bord nicht. erstmals werden die souveniers ausgeführt, die in der ladenzeile des hafens angelmo in pto. montt gekauft wurden: bunte wollhauben, armbänder, stirnbänder, schals, alpaka pullover. obwohl viele der reisenden müde und abgespannt aussehen, kommt langsam jene stimmung auf, die ich noch aus den zeiten des trampens in den siebzigern kenne: man gibt sich lässig, reiseerfahren und abgebrüht. nur die outdoorbekleidung ist vom feinsten und gitarren wie andere musikinstrumente fehlen. dafür viel technisches gerät: analoge und digitale kameras, mobiltelefone, fernstecher und sogar vereinzelt laptops und gsm navigationsgeräte. ein ständiges piepsen, schnurren, klicken und summen wird uns die nächsten tage und nächte begleiten. an das ruhige stampfen der maschinen gewöhnen wir uns rasch.

[back to chile directory]

[back to chile diary ....]
moneda73

11. september 1973: bombardierung der moneda

nur getrennt durch den tobenden verkehr auf der alameda stehen sich der altar de la patria und die moneda gegenüber. überall militär, polizei, gendarmerie, ganz in der nähe auch das verwaltungsgebäuse der forzas armadas, der vereinten streitkräfte. vor wenigen tagen, zum dreissigsten jahrestag des blogtrenner militärputsches berichteten die internationalen medien über ausschreitungen von demonstranten in den arbeitervierteln santiagos. auch hier, auf der plaza constitucion, war der platz schwarz von menschen, die an der gedenkkundgebung für allende teilgenommen haben. wir umrunden, von der avenida bulnes kommend, den altar des vaterlandes, mit dem pinochet 1979 nicht nur o?higgins sondern indirekt auch sich selbst als befreier chiles ehrte. gegenüber, in der moneda, starb im september 1973 nach der bombardierung desselben chiles erster sozialistischer präsident. das militär beobachtet die beiden plätze mit der selbstbewussten freundlichkeit der macht, nicht nur heute, anlässlich eines staatsbesuches aus finnland. wir überqueren die placa constitucion, nach dem putsch unterkellert mit fluchtwegen, schutzräumen und fernsehstudios. und vor dem luxushotel carrera, aus dessen fenstern 1973 die internationalen fernsehteams die bombardierung des präsidentenpalasts fotografierten, berittenes militär. diesmal deutsche marschmusik, die pferde nervös angesichts der wartenden autos. bewaffnet mit einem säbel nimmt der befehlshabende offizier die ausrichtung der gardesoldaten entlang des roten teppichs vor: als ob es sich einer waffe bedienen müsste, um die ordnung des spaliers zu garantieren. ungelenk wie holzsoldaten rücken sie zueinander auf: indianische gesichtszüge unter den helmen, feldgraue uniformen. e. warnt mich davor, die soldaten vor dem hotel zu fotographieren. sie hat dem reiseführer entnommen, dass dies noch immer nicht gerne gesehen sei. ich spüre den druck, der vom schweigen ausgeht.

die vergangenheit der gegenwart - bilder eines spaziergangs:

plötzlich tauchte auf der seite, wo ich sass, wie ein unerwünschtes gespenst der moneda palast auf. als ich ihn zum letzten mal gesehen hatte, war er eine mit asche bedeckte leere hülle gewesen. jetzt nachdem man ihn wieder aufgebaut und in gebrauch genommen hatte, wirkte er wie eine traumresidenz inmitten eines französischen gartens. [marquez, die abenteuer des miguel littin ...]
marquez beschreibt so die erste wiederbegegnung des chilenischen regisseurs miguel littin mit santiago nach 13 jahren emigration. 1985 kehrt littin illegal nach chile zurück, um dort mit drei internationalen und mehreren nationalen teams einen film über die militärdiktatur zu drehen. er befindet sich auf der liste von rund 5.ooo exilchilenen, denen es verboten ist, in ihre heimat zurückzukehren. ernüchtert vom neoliberalen glanz der stadt, mit der wiedererbauten moneda, der fussgängerzone um die calle huerfanos, dem neuen flughafen pudahuel und den neuesten automodellen aus japan, beginnt littin mit seinen fimarbeiten unter schwierigsten bedingungen. das resultat: der 1986 in spanien fertiggestellte dokumentarfilm acta general de chile, der aus 32.000 meter film fertiggestellt wurde.
wenig später stehen wir am cerro san christobal, dem aussichtsberg der stadt mit der allesumspannenden statue der virgen maria. ich suche und finde in der ferne der flimmernden stadt das fussballstadion, in dem die politischen gefangenen interniert waren. vor mir das schild, das um stille ersucht, um die andacht an diesem platz nicht zu stören. und dann noch der gedanke daran wie unterschiedlich wahrnehmungen sein können: lachende frauen, jede kaum dreissig jahre alt, gehen mit ihren kindern in der frühlingssonne spazieren. fast alle von ihnen waren damals noch nicht geboren.
allende hat nun sein denkmal, von einer ecke der plaza constitucion blickt er auf diese. eine stiftung, blogtrenner die fundacion salvador allende bemüht sich um öffentliche diskussion der ereignisse. die sozialistische partei chiles wirbt über dem eingang zu ihrem parteilokal im barrio paris londres mit dem slogan: hoy somos todos un poco mas socialistas.
und noch ein letzter beleg für die öffnung der chilenischen gesellschaft: im halbdunkel der metrostation universidad de chile entdecke ich eine riesige wandmalerei des aus der emigration zurückgekehrten künstlers mario toral. die 1999 fertiggestellten blogtrenner memorias visual de una nacion versammeln unter den szenen aus der geschichte chiles eben auch die bombardierung der moneda 1973.

[back to chile diary ....]

[back to chile diary ...]
.... vor vierzig jahren gestrandeten schiff mit namen cotopaxi, das jetzt als leuchtturm dient. ein rostfarbenes skelett mit eingeknicktem rauchfang, das fast zur gänze auf dem wasser liegt, in einem bemerkenswerten abstand zum ufer des kanals. auch von der nähe betrachtet macht es den eindruck eines zwar nicht mehr funktionstüchtigen aber doch schwimmenden schiffes.
dann die enge der passage und ein inselgewirr, durch das sich unser schiff den weg bahnt. mit einem mal der blick auf die ausläufer des patagonischen inlandseises und die schneebedeckten gipfel zu unserer rechten. das deck des schiffes füllt sich mit tourist/inn/en, die "den augenblick" filmen oder fotographieren wollen, wenn wir wie angekündigt die engste stelle unserer reise passieren. und wie so oft ist der blick der meisten nach vorne und das ziel gerichtet; die meisten versäumen den lohnenden blick zurück, wo sich durch die drehungen und wendungen des schiffes, das sich seinen weg sucht, immer neue perspektiven der landschaft ergeben.

wie schrieb coloane [lit ...]in seiner erzählung über diese passage:
... dann ließ sie den gefürchteten golfo de penas hinter sich zurück, fuhr in die breite, majestätische wasserstrasse des messier-kanals ein, kreuzte durch das labyrinth der angostura inseln, und warf schließlich in den gewässern von puerto eden anker, das sich an den nördlichen rand des paso del indio schmiegt. seinen namen verdankt dieser ort seiner außergewöhnlichen schönheit. nachdem man die ozeanische weite des gofo de penas überquert hat, schlängelt sich der messier kanal wie eine breite wasserstrasse zwischen den grauen felsen hindurch. die strömung schwillt beim eintritt an wie eine zugeschnürte ader, und die düstere hohlgasse öffnet sich auf eine neue, ursprüngliche welt, deren überwältigende naturschönheit noch unberührt geblieben ist. am westlichen ufer des paseo del indio eine oase von überirdischer schönheit, und da jene welt tatsächlich eben den fluten entstiegen zu sein scheint, hat der seemann das gefühl, dort auch den ersten menschen zu begegnen.

puerto eden, die einzige zwischenstation auf unserer vier tage und drei nächte dauernden reise, aber auch hier dürfen wir das schiff nicht verlassen. in mehreren buchten verstreut liegt der ort, am auffälligsten eine lange reihe roter gebäude. dahinter die beeindruckende kulisse der schneebedeckten gipfel. als das schiff bedächtig in die bucht einfährt, lösen sich boote von verschiedenen ankerplätzen in puerto eden, etwa acht, von unterschiedlicher bauart. eine motorbetriebene kleine plattform und zwei weitere boote werden von einer eleganten motorjacht begleitet, die dem tross voranfährt. eilig streben sie uns in einem weiten bogen entgegen und legen an der zu wasser gelassenen landeklappe unseres schiffes an. pakete werden abgeholt und verladen, eine handvoll passagiere steigt zu, container werden mit dem ladekran der magellanes auf die plattform im wasser gehievt. und endlich: die von den reisenden mit kameras und photoapparaten lüstern erwarteten "indianer" mit ihren andenken werden an bord gelassen. die traube der touristen umlagert die schnell aufgebauten tische, auf denen die souveniers von den ankömmlingen ausgebreitet werden; modelle der kanus der wassernomaden, die mit fellen überzogen sind. ein deutscher tourist scherzt zynisch mit seiner begleiterin: da mussten sie die letzte robbe abschlachten, damit du zu deinem schiffchen kommst !
dann, nach dem mittagessen, begegne ich den in puerto eden zugestiegenen passagieren. mit ihrer ärmlichen kleidung, den schlechten zähnen und dem schüchternen verhalten wirken sie sehr verloren unter all den anderen reisenden. sie spielen karten und verschwenden keinen blick an die landschaft, die an uns vorbeizieht.

messier4

puerto eden: schiffe legen ab


[back to chile diary ...]

neruda1

nicht dass pablo neruda, seine erben oder die blogtrenner fundacion neruda jemals behauptet hätte, dass nerudas über jahrzehnte angesammelter fundus aus aller welt eine kunstsammlung darstelle. nerudas ästhetischer anspruch war ein privater; in allen seinen häusern entstand so ein bunter kosmos von dingen, in dem sich das von ihm wahrgenommene und begriffene auf einzigartige weise repräsentiert. obwohl wir ein museum betreten, haben wir den eindruck, ein höchst intimes stück leben zu besichtigen, eine welt die sich per se den oft hochmütigen und banalen geschmacksurteilen mancher reisebuchautor/inn/en entzieht. es sind diesselben priester des guten geschmacks, die obskure museen, wie jenes der salesianer in punta arenas, als hervorragend bewerten, aber hier vorgeben, das wesen der dinge erfasst zu haben.
warum also neruda indirekt fehlendes kunstverständnis vorwerfen ? nur weil er aus ideologischen gründen den erwerb von kunstwerken ablehnte und sich auf die dinge der täglichen welt konzentrierte ?
die oft strapazierte seele der dinge besteht nicht etwa in ihrem metaphysischen gehalt, sondern in den geschichten, die aus ihnen sprechen. am beginn von nerudas memoiren [lit ...] finde ich einen abschnitt, in dem der autor direkt auf seinen fetisch bezug nimmt:
in meinem haushalt habe ich kleine und grosse spielzeuge zusammengetragen, ohne die ich nicht leben konnte. das kind, das nicht spielt, ist kein kind, aber der mann, der nicht spielt hat für immer das kind verloren, das in ihm lebte und das ihm arg fehlen wird. ich habe mein haus auch als spielzeug gebaut und spiele in ihm von morgens bis in die nacht. es sind meine eigenen spielzeuge. ich habe sie mein ganzes leben hindurch gesammelt mit der wissenschaftlichen absicht, mich allein mit ihnen zu unterhalten. aber ich werde sie den kleinen kindern und denen aller alter beschreiben.

bei unserem gang durch la chascona knarren die dielen, von denen man/frau sagt, sie seien auf wunsch von neruda speziell verlegt worden, um die dielen eines schiffes zu imitieren. in isla negra ließ er einem lebensgroßen holzpferd einen stall bauen, nachdem es ihm nach jahrzehnten des begehrens gelungen ist, die obsession einer kindheit zu erwerben. schränke mit seinen persönlichen gegenständen stehen den neugierigen blicken offen.
es ist wie so oft auf reisen, wenn wir, die reisenden, den massentourismus beklagen: froh darüber zu sein, diesen persönlichen kosmos gesehen zu haben und gleichzeitig die lawine an menschen beklagen, die mit wenig sensibilität durch die verwinkelten häuser nerudas trampeln - diesen widerspruch lösen wir nicht auf. noch aber besteht hoffnung, dass die seele der dinge für alle, die innehalten und sich zeit nehmen, offen bleibt. [siehe die reisetagebücher von celati ... ]

neruda6

[back to chile diary ...]

[back to chile diary ....]
die abfallkörbe sind hier so konstruiert, dass sie auf einem pfosten in bauchhöhe angebracht sind, um den stöbernden hunden keine möglichkeit zu geben, den hausmüll auf der suche nach essbarem auf dem gehsteig zu verstreuen. und dennoch, immer gelingt es grossgewachsenen tieren, zu ihrem fressen zu kommen. häufig befahrene strassen überqueren erfahrene tiere an den ampeln, setzen sich dort erst in bewegung, wenn dies die fussgänger tun. nur junge hunde laufen den autos entgegen, um mit ihnen zu spielen. auf den landstrassen patagoniens passieren dennoch nicht sehr viele unfälle, weil man/frau ständig mit den aus dem hinterhalt jagenden hunden rechnet.
in der nacht das konzert der hunde in den städten patagoniens und feuerlands: in puerto natales, in puerto montt, in punta arenas und ushuaia. in punta arenas wird die anzahl der hunde von blogtrenner tierschützer/inne/n auf rund 20.000 geschätzt - dies bei einer einwohnerzahl von 140.000. damit kommt auf jede/n 7. einwohner/in ein tier.

e. meint, jeder hund sei die reinkarnation eines verstorbenen seemann. ab diesem zeitpunkt nennen wir unsere begleiter im süden patagoniens ganz einfach capitanes. in einer von franzisco coloane?s geschichten lese ich, dass hunde stets auch in den booten patagoniens vertreten waren, in einer anderen von der zentralen bedeutung der hunde für die bewirtschaftung der schafherden. eine wichtige rolle haben ihnen auch die indigenen völker dieser region zugewiesen. kaum ein reiseblog über den chilenischen oder den argentinischen teil patagoniens, das nicht auf die strassenhunde bezug nimmt. nun wirken die capitanes wie die arbeitslosen nachfahren einer stolzen generation von wächtern, hütern und professionellen gefährten. hunde haben geschichte, wenngleich sie hier noch nicht geschrieben wurde.

hund1

capitan auf der magellanes, begleiter für vier tage

[back to chile diary ....]

[back to chile diary....]

magellan2

.... blickt magellan vom zentralen platz der stadt auf die von ihm als ersten weißen vollständig durchfahrene magellan straße. zu seinen füßen zwei indigene. wer immer den wunsch hegt, nach punta arenas zurückzukehren, so sagt das geschickt von fremdenverkehrsstrategen lancierte gerücht, sollte den fuss des indianers küssen. welch grausame geste! magellan selbst starb auf dieser reise und zurückkehrte die flut an europäern, die von sehnsucht, finanzieller not und gier getrieben, für die auslöschung der indigenen sorgten.
der held und entdecker:
an der küste patagoniens angekommen, merkt magellan, dass die von martin beheim gezeichnete karte nicht mit der realität übereinstimmt. ob der irrfahrt kommt unruhe unter der besatzung der fünf schiffe auf. den wunsch seiner kapitäne, mit den schiffen in einem ruhigen hafen zu überwintern, schmettert der entdecker wider besseren wissens ab. im märz 1520 lässt er die aufflackernde meuterei mit der hinrichtung eines teils seiner mannschaft niederwerfen. kurz darauf und unter dem eindruck der hinrichtungen nähern sich die conquistadores der wasserstraße.
1520 begegnet er den ersten indigenen, die er als "patagones" beschreibt. er versucht, eine gruppe von ihnen in der manier der conquistadores auf seinem schiff gefangenzusetzen, als mitbringsel für den spanischen könig. mit list lockt er sie auf sein schiff und lässt den gästen ketten anlegen. als es zum kampf mit den getäuschten kommt, wird ein mannschaftsmitglied von einem vergifteten pfeil getroffen und stirbt. alle indigenen entkommen und als vergeltung verbrennt magellan ihre häuser. einen monat später durchschifft er den kanal, der heute nach ihm benannt ist.
im übrigen: magellans leute setzen keinen fuss auf feuerland (damals von ihm "land des rauchs" bezeichnet) und bruce chatwin [lit ...]interpretiert dies in seinem buch als angst vor dem unbekannten. ganz im gegensatz zur botschaft des denkmales in punta arenas war magellan also kein bezwinger der indianischen urbevölkerung. er und seine männer waren bloß die ersten vorboten einer landnahme, die im 19. jahrhundert mit voller wucht einsetzen sollte.

andere helden und pioniere:
die im denkmal konkretisierte ideologie ist richtig und falsch zugleich. nie war es die absicht magellans, die ureinwohner patagoniens und feuerlands zu unterwerfen, ihm war einzig und allein an der entdeckung der westpassage gelegen. seine begegnungen mit den fremden völkern waren sporadisch, ungeplant und unglücklich. anders die herrschende klasse patagoniens am beginn des 20. jahrhunderts. die politische und wirtschaftliche elite von punta arenas errichtet im bewusstsein ihrer macht zum 400 jährigen jubiläum der europäischen entdeckung der magellanstrasse am 16. dezember 1920 IHR denkmal. jose menendez, einer der reichsten schafzüchter der region, setzt der endgültigen inbesitznahme des geraubten landes ein zeichen und finanziert die errichtung fast ausschließlich aus den erträgen seines handels mit wolle. nicht magellan sollte in diesem denkmal seine ideologische überhöhung erfahren. er wie auch die dargestellten indigenen wurden benötigt, um zu zeigen, dass die welt im sinne der pioniere endgültig in ordnung gebracht war. niemand störte mehr die grasenden schafherden: das nutzland war endgültig mit zäunen umgeben und die indianer ausgelöscht. in unmittelbarer nähe des platzes ist der reichtum der zeit auch konkret zu besichtigen: das stadtpalais der sarah braun und der club de la union, in dem die viehzüchter der region auch heute noch zu regelmässigen treffen zusammenkommen.

sarahbraunmansion auch diese palais repräsentieren macht, freilich für den beschränkten kreis der elite dieser stadt. die ausstattung der häuser der brauns und menendez, die aus allen teilen europas herangeschafft wurde, betonen den überlegenen gestus der neureichen bis heute. das museumspersonal, das uns mit viel gemessenheit und aufgesetzter würde an der kassa empfängt, zelebriert den schlechten geschmack und die selbstgefällige provinzialität der neureichen viehzüchter. kein schritt der besucher bleibt unbeobachtet, kein interesse unkommentiert. soigniertes raunen in verblichenen herrenzimmern und damentoiletten.
doch die zeiten, in denen die kontrolle des weißen goldes, wie die wolle der schafe genannt wurde, reichtum und einfluss bedeuteten, sind vergangen und damit auch identität und selbstbewusstsein der damals tonangebenden elite. weder die schifffahrt, noch der wollhandel bestimmen mehr mehr das gesicht der stadt. es ist vielmehr die erdölverarbeitende industrie (blogtrenner enap magellanes), deren anlagen kaum eine halbe stunde autofahrt vom stadtzentrum entfernt liegen und die das leben von punta arenas und der region entlang der magellanstrasse heute massgeblich beeinflusst.
[back to chile diary....]


[back to chile diary...]

museo

blogtrenner zur website des museums ...

als ich mich zu einer gruppe von exponaten herabbeuge, taucht das gesicht eines mädchens neben mir auf, das die in der glasvitrine ausgestellte köpfe aus ton ebenfalls betrachtet. die ähnlichlkeit der profile und gesichtszüge der beiden: leicht entrückt, vielleicht ein wenig überheblich. so als ob beide leise lächelten über die neugier des touristischen blickes.
ein letztes mal begegnen wir der kindergruppe im patio des museumskomplexes. die kinder sitzen im schatten der arkaden, entlang der rückwärtigen wand und verschlingen ihre jausenbrote. eines der mädchen winkt mir zu, freundlich und neugierig auf die welt.

museo2 the museo chileno de arte precolombino -housed in what used to be the edificio de la real aduana, santiagi - was inaugurated in december 1981. it is renowned for its stunning collection of precolumbian art from throughout the americas (...) and is considered to be one of the most important museums of its kind in the world.
the permanent exhibition covers an extensive time period - from the beginnings of pottery and textile production in the americas up to the arrival of the european conquistadors. its aim is to portray the diversity of the precolombian peoples regardless of the political boundaries of the nations that divide them today. the collection includes ceramic and metal objects, finely woven textiles, and a variety of pieces made of wood and other materials (text des museumsfolders).

[back to chile diary...]

[back to chile diary....]

.... lauschige und romantische grundstücke neben slumähnlichen ansammlungen von hütten aus wellblech, holz und karton. armut und wohlstand sind auf den hügeln valparaisos wie in einem mosaik miteinander verknüpft. die leichtigkeit und poesie des alltags kommt selbst in den armenvierteln in vielfältigen wandmalereinen zum ausdruck.
fast den ganzen tag verbringen wir auf den hügeln der stadt, gehend und schauend: jede strassenkehre bringt eine neue einsicht in das soziale gefüge valparaisos. manchmal kehren wir auch in das dunkle und düstere geschäftsviertel zu unseren füßen zurück, mit seinem verkehr, den abgasen und dem lärm: zum geldtauschen, mittagessen und telefonieren. dann aber geht es schon bald wieder mit den alten, nach schmieröl duftenden aufzügen blogtrenner ascensores hinauf in die luftigen höhen. in dunklen und auf den ersten blick nicht sehr vertrauenswürdig aussehenden hauseingängen liegen die talstationen, bewacht von frauen in arbeitskleidung, ausgerüstet mit kleinen transistorradios und thermoskannen, um den langen tag im bauch der stadt zu überstehen. ganz anders die atmosphäre jedoch oben, wenn sich die tür des ausgangs öffnet und man/frau ins licht hineingeht: kleine souveniergeschäfte, aussichtsterassen, liebespaare und vor allem das licht, welches vom meer reflektiert wird und sich an dem bunten mosaik der häuser bricht. kein wunder, dass pablo neruda auch hier, in sebastiana, gewohnt hat.
valparaiso ! nach der kälte, strenge und wehmut der magallanes wieder die gerüche der menschen und ihrer dinge und jene der mit sich selbst protzenden natur. es ist, wie von einer längeren gletschertour nach tagen der anstrengung, konzentration und freiheit wieder in die verbindlichkeit einer verspielten und mit gerüchen und farben überbordenden welt der almhütten und wiesen zurückzukehren.

[back to chile diary....]

[back to chile diary.....]

strahlend blauer himmel; träge an der mole des fischmarktes liegende seerobben, die auf die abfälle warten; kanäle von einer unmenge von ausflugsbooten bevölkert - alles ingredienzien für einen tourismusort allererster güte. und trotzdem ...

auf einem flohmarkt unweit des mercado fluvial kaufe ich von einem jungen mann um 2000 pesos eine kleine broschüre mit stadtansichten von der katastrophe der sechzigerjahre. ich lese:

am sonntag, den 22. mai 1960 erschüttern ein erdbeben und ein seebeben chile von coronel bis chiloe. das erdbeben hat 9,5 grad auf der richterskala. das seebeben löst wellen von 12 metern höhe aus. insgesamt verlieren 5000 menschen das leben, es entstehen sachschäden in der höhe einer halben milliarde usd. 5000 direkt betroffenen menschen müssen in notquartieren untergebracht werden, ca. 48.000 essensrationen werden täglich ausgeteilt. (übersetzt aus: valdivia 1960, material recopilado y editado por blogtrenner gonzalo soto malo)

ergänzend dazu berichtet unser reiseführer, dass 4/5 der häuser von den beben zerstört wurden und sich im gefolge des bebens das niveau der stadt um 3 meter abgesenkt hat. die folgen des bebens waren noch tage später auf den osterinseln und in japan registrierbar.
blogtrenner mehr terra moto und mare moto (solamente espanol) ....

am pier der kleinen anlegestelle von corral, an der wir auf unser ausflugsschiff warten, das uns in die stadt zurückbringen soll, ereilen uns die ersten beiden beben der reise mit aller heftigkeit. alltagsnormalität ? corral war 1960 von der flutwelle des seebebens stark betroffen. als wir wenig später das unterirdische depot einer ehemals spanischen festung besichtigen, merken wir in einer sehr klaustrophoben situation das dritte beben. werden diese erschütterungen unsere ständigen begleiter? die chilen/inn/en wirken jedenfalls nicht sehr beunruhigt, aber doch ein wenig nervös.

[back to chile diary.....]

[back to chile diary....]

... erwartet uns eine junge frau und erklärt uns das touristische angebot der estancia: das blogtrenner museo acatushun, die pinguininsel yecapasela (die ebenfalls zum eigentum der estancia gehört) und eine führung durch die farm. der geführte rundgang ist deprimierend: die meisten schafe wurden bereits verkauft und von den rund 2500 schafen, die noch vor 15 jahren die weiden bevölkerten, sind heute nur mehr 50 übriggeblieben. ein einstmals blühendes unternehmen, nunmehr fast zu einem museum verkommen. man lebt hier von der vergangenheit und den touristen, die sich nach einer zweistündigen fahrt an diesen einsamen flecken erde am beagle kanal verirren. nur mehr vier personen leben ständig hier, im sommer kommen einige fremdenführer/innen hinzu, wie die junge frau uns versichert. im prospekt lesen wir die affirmative geschichte habertons:

ea_haberton harberton was founded by blogtrenner thomas bridges and his wife, mary ann varder, in 1886. he, an orphan, found on a bridge in england in about 1844, was adopted by an anglican missionary. at the age of 13 he traveled with his family to keppel island in the falklands (malvinas) to work with the natives of tierra del fuego. by the time of his first trip to tierra del fuego, in 1963 at age 21, he could converse in the yahgan language. he began the anglican mission in ushuaia in 1870, brought his wife in 1971 and was the first european to live successfully in tierre del fuego. he is vonsidered by many the "father of tierra del fuego".
after 30 years with the mission, in 1886 he received a donation of land from the argentine congress and came to live at harberton with his wife, sister in law and six fuegian children. the farm is named for his wife?s native village in devon, england. harberton is the oldest farm and was the first productive enterprise in tierra del fuego. it?s story is told in the fascinating book "uttermost part of the earth by his son e. lucal bridges".
haberton is not an elegant, model estancia. it is a simple one, which maintains its late 1880s style, with its original wood frame buildings covered with corrugated iron, its weathered grey fences, its sea wall and terraces of native stone.
today the estancia belongs to the grandchildren of bridges?sons lucas and will and is managed by a great-grandson, thomas d. goodall. members of the fourth, fifth and sixth generations of the bridges family live in the original house, the oldest in tierra del fuego.
the estancia was opened to the public in 1980 via a guided walking tour. in 1999, the oldest buildings and the stone piers were declared an argentine national historic monument. in 2001, two old buildings were remodeled as guest houses for visitors who want to stay longer at harberton.


und wir folgen den worten einer argentinischen studentin, die sich in den ferien als fremdenführerin verdingt hat. ihre bemerkung, auch die gegenwärtige generation der besitzer der estancia hätte trotz argentinischer staatsbürgerschaft ihre alten (britischen) lebensgewohnheiten beibehalten, lässt mich stutzig werden. und e. meint, an der geschichte von thomas bridges und seiner nachkommen ließe sich ausgezeichnet zeigen, wie verwickelt und vielschichtig die genese von identität bei einwanderern in dieser region gewesen sein mochte.
ABGESANG ZU FEUERLAND:
BridgesChildren der "vater feuerlands", wie der zitierte prospekt den missionar, sprachforscher und grossgrundbesitzer thomas bridges stolz tituliert, begleitet die von ihm angetroffenen "wilden kinder" in die von seinesgleichen in kauf genommene auslöschung eines gesamten volkes, nicht ohne ihre sprache zu lernen und in weiterer folge ein umfangreiches wörterbuch zusammenzustellen. und er ist, wie es ihm seine religion zu befehlen scheint, ihr liturgischer begleiter bei geburt, leben und tod. er macht sich zum akribischen chronisten ihrer auslöschung: 1000 yamana (1884), 397 yamana (1886), 110 yamana (1897) und 45 überlebende im jahr 1925. auf dem kleinen friedhof, der etwas abseits auf einem hügel liegt und von dem man zwei eindrucksvolle buchten überblicken kann, begräbt er seine indigenen hausangestellten im kreise der familie, so als müsste er die schützlinge selbst im tod noch vor der außenwelt bewahren.
auch die generationen später eingeheiratete jane gouddall beschäftigt sich auf akribische weise mit feuerland. jahrzehnte nach dem tod von thomas legt sie eine umfangreiche bestandsaufnahme der flora und fauna feuerlands vor, in einer zeit, in der schafe durch die verletzungen der ozonschicht unserer erde in diesen gegenden bereits durch das gleissende sonnenlicht erblinden. ein abgesag an eine natur, die längst dem untergang preisgegeben ist. den weg zur estancia säumen ausgebleichte baumstämme, die von importierten bibern gefällt wurden und nun die wälder verwüsten. wir haben erfahren, dass in diesen gegenden abgestorbene bäume rund dreihundert jahre benötigen, um zu humus zu werden. verhindern kälte und die unberechenbarkeit des wetters den massentourismus am sogenannten ende der welt? wird die akribische erschließung der fauna und flora für die touristen dieser welt zum weiteren baustein einer kolonialgeschichte? mit entsetzen lese ich in diesen tagen in teuer aufgemachten prospekten von reisen in die ökologisch so sensible antarktis. die ausbeutung dieser ökologisch hochsensiblen region für den hochpreistourismus nennt sich hier skurril tourismo alternativo antartida
und noch ein drittes mitglied der familie hat sich schriftstellerisch betätigt. das 1948 von esteban lucas bridges herausgebrachte buch zur geschichte der estancia wurde zwar in den achtzigerjahren neu aufgelegt, ist aber schon längst wieder vergriffen. genauso, wie es diese estancia nur dem namen nach noch gibt, ihre ursprüngliche funktion aber schon seit jahren verloren hat. das erste weiße produktionsunternehmen auf feuerland gibt es nicht mehr und selbst der rettungsversuch durch die öffnung für den tourismus kann bislang als gescheitert betrachtet werden. der hauptstrom der touristen, die in ushuaia den kitzel genießen wollen, ans "ende der welt" gelangt zu sein, zieht es in den nationalpark, auf den beagle kanal oder den gletscher martial. in unmittelbarer nähe der estancia liegen erst vor kurzem errichtete cabanas mit allem üblichen komfort. mit diesem kann die estancia sicher nicht konkurrieren.
als wir nach der mit viel jugendlicher begeisterung gestalteten führung durch die estancia in der confiteria manacatush mit englischem gebäck (ginger cookies, lemon pie) und tee uns aufzuwärmen versuchen, blättern wir in zwei dicken ordnern mit zeitungsausschnitten über die estancia. national geographic, geo und andere magazine schienen eine zeitlang die estancia am ande der welt zu lieben. neuere berichte gibt es keine. während wir in einem der bände interessiert blättern, sehen wir am nachbartisch einen der dougalls. ich kann nicht umhin, ihm beim abschied die hand zu geben, so sehr fühle ich mich als neugieriger eindringling an diesem ort, dem keine/r mehr helfen will.
[jane gouddal ....]
[back to chile diary..........]

 

twoday.net AGB

badge-podcast

xml version of this page

xml version of this topic


powered by Antville powered by Helma

Creative Commons-Lizenzvertrag
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
catcontent
Subscribe with Bloglines